Ein kleiner satirischer  Rückblick auf die Sarower Skatrunde – nicht ernst nehmen, nur Satire

 

Sonnabend, das Kalenderblatt des Novembers zeigt den 15 Tag an. Kenner und Insider der Sarower Skatszene wissen, a-ha Runde 3 der Skatmeisterschaft steht an. Mittagessen, dann ab auf die Couch, noch mal kurz die Füße hoch.

In Gedanken schon den ultimativen Grand ouvert vor Augen und wenn es der nicht ist, dann aber zumindest 3-4mal einen Grand mit Vieren. Ach was, mal nicht so bescheiden, 5-6 hätte man sich doch eigentlich schon verdient heute. Eine Antwort auf dann immer wieder kehrende Frage „hast wohl angefasst heut“ wird auch schon parat gelegt, zumindest wenn es nicht wahrheitsgemäß glaubhaft gemacht werden kann und sollte.

In Sarow West sollen sich drei Skatbrüder vor dem Mittag bei einer Runde Krombacher bzw. Radeberger getroffen haben und waren sich aber so richtig sicher, dass dieser Sonnabend, der 15., diese jene dritte Runde der Sarower Skatmeisterschaft garantiert ihr Tag wird. Der Skatgott muss wohl gerade anderweitig beschäftigt gewesen sein, denn am Ende des Tages gab er dem besten der Drei nur Karten, die für Platz 15 reichten. 15ter am 15., Nachtigall, ick hör dir La Paloma pfeifen.

13.30 Uhr – die Skatelite rückt an, per Auto, per Motorroller, nur das stets bestaunte lasch-grüne Postmeldefahrrad, mit dem Uropa Karl-Friedrich aus dem Stalingrader Kessel flüchtete, dass sonst locker am Schornstein lehnt, scheint einen Platten zu haben, jedenfalls lehnt es diesmal nicht an Ort und Stelle. Auf Schuster Rappen kommt die Kastanienallee-Gang daher. Nicht überliefert ist, ob einst Alexandre Dumas bei seinen Roman  „Die drei Musketiere“ eine Zukunftsvision hatte, scherzhaft meinte jemand, dass von den Dreien die Person Porthos jedenfalls ganz klar identifizierte werden könne. Na, da ging wohl der Gaul mit ihm durch, Mensch, Mensch. Die Ganschendorfer Skatkameraden diesmal nur im Duo, der Sieger von der Oktober Runde weilte zu dem Zeitpunkt noch im Osmanischen Reich, er ließ es sich mit Cocktails und viel Sonne am Strand gut gehen, könnte auch umgekehrt gewesen sein.

Die Tür zur Sarower Skatarena war blockiert, am Einlass drängten die Leute, die Kassierung geriet fast schweißtreibend. Wenn jetzt Spaziergänger unterwegs gewesen wären, manchmal macht das Sarower „Handtaschengeschwader“ ja eine Runde am Sportplatz entlang, die, also die Spaziergänger,  hätten sich drei Jahrzehnte zurück gesetzt gefühlt. Ähnliche Schlangen bildeten sich einst in der Hammer-Sichel-Ährenkranz Epoche vor HO-Kaufhallen wenn die DSR mit 19 Knoten Geschwindigkeit aus Übersee die heiß begehrten Südfrüchte ins Land schipperte, oder wenn das Bierauto vor dem Sarower Konsum hielt und viele Sarower nun mit Schmackes  und im Vollsprint in die Holzbaracke stürmten, um ja noch braune Flaschen zu bekommen. Grüne Flaschen schienen manchmal ein Vorläufer des Bayrischen Hefeweizen zu sein. Wenn´s dumm lief, gab es den heiligen Gerstensaft von Neubrandenburger Hell bis Pils sogar auf Zuteilung, beim heiligen Kristallik und Blauen Würger, dass waren noch Zeiten.

Einige Skater drängten aber wieder ins Freie, bißken frische Luft, ehe die erste 18 durch den Saal dröhnt, ist ja auch nicht schlecht. Könnte aber auch daran gelegen, dass die (gute) Luft im Raum etwas knapper wurde, weil zum einen gleich 25 Spieler im Raum warteten und reichlich ungeduldig der Auslosung entgegen sahen, zum anderen aber und das ist wohl viel wahrscheinlicher, weil Jimmy die Skatrunde auf seine, ihm unnachahmliche Weise, zünftig begrüßte. Ja, da wurden Erinnerungen wach. Jener Jimmy war in Runde 2 nicht dabei, da darf es schon mal ein kleiner Gruß für und in die Runde sein.

Runde 1 – Tisch 6, Erwin greift sich in 9 von 18 Spielen den Skat und nach 904 Punkte, geht der Fahrtrichtungsanzeiger auf Ausfahrt „Kandidat auf Tagessieg“, bei Wilfried an Tisch das ganze Gegenteil. -335 Punkte und das bei seinem Debüt in Sarow. Dazu die zweifelhafte Ehre, ein Jubiläumsspiel verloren zu haben, in den ersten beiden Tageswerten gab es zuvor 99 verlorene Spiele……

Runde 2 – an Tisch 2 dreht die Skatelite mal so richtig auf, dass es einem Spieler den kalten Schweiß auf die verlängerte Stirn trieb. Nach dem Geben fix ein, zwei mal raus, erstmal tief durchatmen und denkt sich“die spielen und spielen und ich krieg nix, da schmeckt mir nicht mal mehr das Wasser“. Ein paar Spiele weiter bittet der Spieler, der nun ein wenig blass um die Nase aussieht, weil völlig schwindlig gespielt, die Runde verlassen zu dürfen. Der knallharte Skat an Tisch 2 hatte sein erste bedauernswertes Opfer gefunden, aber mit seinen am ersten Tisch eingespielten 324 Punkten, wurde er nicht mal Letzter. Platz 24 – immerhin, Respekt. Es bleibt abzuwarten, ob jener Skatfreund, der nach dem kalten Angstschweiß sein innerstes nach außen kehrte, sich wieder erholt und in der nächsten Runde wieder mitmischt.

Runde 3 – Tisch 6 – der Blitztisch. Hochgeschwindigkeitsskat vom Feinsten, ein Grand und ein Gag jagt den nächsten. Selbst ein verlorener Grand ohne Vieren mit 60 trübt die überschäumende Stimmung am Tisch nicht, Minus 240 – was soll´s. Der Skatgott, der ja schon am Vormittag scheinbar unpässlich war, schien weiterhin auf beiden Ohren blind zu sei.

Warum die Konkurrenz der anderen Tische plötzlich viel eher fertig war, konnte an Tisch 6 so wirklich keiner nachvollziehen. Man hätte fast glauben können, Tisch 6 spielt schon ein paar Spiele von der nächsten Tagesrunde vor, aber nur keine Hetze, wir haben Zeit und Getränke sind eh genug da, obwohl der Vorrat an dem durchsichtigen Getränk mit O deutlich dezimiert wurde, ein Blick in die Transit-Getränkelast verrät dies Klaren und deutlich. Hein Skatspieler ist eben von alten Schrott und Korn, übrigens das eben erwähnte Hein ist kein Schreibfehler. Und wer kennt sie nicht, die alte Skatspieler Weisheit „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“, auf die vorzugsweise Spieler ab Platz 20 immer wieder mal hinweisen, um ein „Streichrunde“ hinterher zu schmettern. Der geneigte Leser muss an dieser Stelle wissen, dass von den 7 Tageswertungen, nur die besten fünf in die Wertung gehen. Was aber, wenn Hein Skatspieler jene „Streichrunde“ schon an den ersten beiden Tageswertungen für sich in Anspruch nahm? Verdammte Axt.

Siegerehrung, Fotoshooting, so manch lustiger Spruch macht die Runde. Der staatlich geprüfte Fleischbeschauer, jetzt bitte nicht verkehrt verstehen, wir sind noch längst nicht auf irgendwelchen Party-Disco Hochburgen auf „Malle“, nickt die Fleischtheke ab, der Daumen geht hoch, alles bestens, es kann losgehen. Der „Kandidat auf den Tagessieg“ von Runde 1 – Erwin – , jener Erwin, der dort den Fahrtrichtungsanzeiger klassisch ausfuhr, bretterte von der Pole-Position ohne Boxenstopp und mit über 600 Punkten Vorsprung als Sieger über die Ziellinie. Den Luxus eines seiner 26 Spiele zu verlieren, gönnte er der Konkurrenz, die artig gratulierte und anerkennend nickte.

Aftershowparty – der Smutje bekam es ein wenig mit der Angst zu tun, ob das durchsichtige Getränk, welches mit O beginnt und in der Kühllast bedenklich abnahm, noch reicht. Die „Scheidebecher“, gingen ebenso schnell weg, wie bereits oben erwähnte Südfrüchte in HO-Kaufhalle zu Dachdecker-Erich Zeiten oder wie die bereits ebenfalls oben erwähnte braunen Bierflaschen im Sarower Konsum. Aufatmen beim Smutje, der O reichte, Durchatmen. So ging er zu Ende, so klang er sachte aus, der Sarower Skattag, der wieder einmal das hielt was er versprach.

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